Allopurinol

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Beschreibung

đź’Š Allopurinol auf einen Blick
Allopurinol ist das am häufigsten verschriebene Medikament zur Langzeitbehandlung von Gicht und erhöhten Harnsäurespiegeln (Hyperurikämie). Als Xanthinoxidasehemmer greift es direkt in die Harnsäureproduktion des Körpers ein und senkt dauerhaft den Harnsäurespiegel im Blut.

Was ist Allopurinol?

Allopurinol ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Xanthinoxidasehemmer, der seit den 1960er Jahren in der klinischen Medizin eingesetzt wird. Er wurde ursprünglich von Gertrude Elion und George Hitchings entwickelt, die dafür 1988 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielten. Allopurinol ist heute in mehr als 100 Ländern zugelassen und gehört zur Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

In Deutschland ist Allopurinol als Generikum weit verbreitet und wird unter verschiedenen Handelsnamen vertrieben. Es ist das Mittel der Wahl zur Langzeitbehandlung von Gicht, insbesondere wenn es zu häufigen Gichtanfällen, Nierensteinen oder Gichtknoten (Tophi) kommt.

Wirkungsmechanismus

Der menschliche Körper baut Purine – Bestandteile der DNA und wichtige Energieträger (wie ATP) – über mehrere Schritte ab. Das Enzym Xanthinoxidase katalysiert dabei die letzten Schritte dieser Reaktionskette: die Umwandlung von Hypoxanthin zu Xanthin und von Xanthin zu Harnsäure. Allopurinol und sein aktiver Metabolit Oxipurinol hemmen dieses Enzym kompetitiv und nicht-kompetitiv, wodurch die Harnsäureproduktion um bis zu 75 % reduziert wird.

Der niedrigere Harnsäurespiegel im Blut führt langfristig dazu, dass sich Harnsäurekristalle (Natriumurat-Kristalle) in Gelenken, Weichgewebe und Nieren auflösen. Dies verhindert neue Gichtanfälle und führt bei konsequenter Therapie zur Rückbildung von Gichtknoten.

Anwendungsgebiete

Primäre Indikationen

  • Chronische Gicht mit häufigen Anfällen (mehr als 2 pro Jahr)
  • Gichttophi (Harnsäureablagerungen in Weichgeweben)
  • Urolithiasis durch Harnsäure- oder Calciumoxalatsteine
  • Harnsäure-Nephropathie (Nierenschäden durch Harnsäure)

Sekundäre Indikationen

  • Prophylaxe eines Tumorlysesyndroms bei Chemotherapie
  • Enzymdefekte (z. B. Lesch-Nyhan-Syndrom)
  • Sekundäre Hyperurikämie bei Niereninsuffizienz oder bestimmten Medikamenten

Dosierung

Situation Startdosis Zieldosis
Leichte Hyperurikämie 100 mg täglich 100–200 mg täglich
Gicht (Standardfall) 100 mg täglich 300 mg täglich
Schwere Gicht / Tophi 100 mg täglich 600–800 mg täglich (max.)
Niereninsuffizienz 50–100 mg täglich Anpassung nach GFR

Wichtig: Die Dosis sollte schrittweise gesteigert werden (alle 2–4 Wochen um 100 mg), um das Risiko von Gichtanfällen zu Beginn der Therapie zu minimieren. Als Zielwert gilt ein Harnsäurespiegel unter 6 mg/dl (360 µmol/l), bei Tophi unter 5 mg/dl.

Wichtige Besonderheiten bei der Einnahme

Allopurinol wird einmal täglich nach dem Frühstück eingenommen, um Magenprobleme zu vermeiden. Die Einnahme mit ausreichend Wasser (mindestens 2–3 Liter täglich) ist wichtig, um die Ausscheidung der anfallenden Stoffwechselprodukte (Xanthin, Hypoxanthin) über die Nieren zu fördern und Nierensteine zu verhindern.

In den ersten Wochen der Behandlung kann es paradoxerweise zu mehr Gichtanfällen kommen, da sich bestehende Harnsäurekristalle durch die Änderung des Harnsäurespiegels mobilisieren. Deshalb wird oft eine begleitende prophylaktische Gabe von Colchicin (0,5 mg täglich) für die ersten drei bis sechs Monate empfohlen.

Nebenwirkungen

Allopurinol ist in der Regel gut verträglich. Die häufigsten Nebenwirkungen sind:

  • Hautausschlag: Tritt bei etwa 2 % der Patienten auf. Ein leichter Ausschlag erfordert oft den Therapieabbruch, da er sich zu schweren Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, DRESS-Syndrom) entwickeln kann.
  • Magen-Darm-Beschwerden: Ăśbelkeit, Erbrechen, Durchfall – meist durch Einnahme zum Essen vermeidbar
  • Leberwerterhöhungen: Selten, aber Kontrollen bei Langzeittherapie ratsam
  • Schwere Ăśberempfindlichkeitsreaktionen: Selten, aber lebensbedrohlich – besonders bei Patienten mit HLA-B*5801-Genotyp (häufiger bei Asiaten) und eingeschränkter Nierenfunktion

Wechselwirkungen

Bei der Einnahme von Allopurinol sind folgende Wechselwirkungen besonders relevant:

  • Azathioprin und Mercaptopurin: Allopurinol hemmt deren Abbau massiv – bei Kombination Dosis auf 25 % reduzieren, andernfalls schwere Toxizität
  • Ampicillin / Amoxicillin: Erhöhtes Risiko von Hautausschlägen
  • Ciclosporin: Erhöhte Ciclosporinspiegel
  • Diuretika (Thiazide): Erhöhtes Risiko von Ăśberempfindlichkeitsreaktionen
  • Warfarin: Verstärkung der gerinnungshemmenden Wirkung
⚠️ Wichtiger Hinweis: Allopurinol darf niemals während eines akuten Gichtanfalls neu begonnen werden – dies kann den Anfall verlängern oder verschlimmern. Starten Sie erst nach vollständigem Abklingen des Anfalls. Bei Auftreten von Hautausschlag oder allergischen Reaktionen sofort den Arzt aufsuchen und das Medikament absetzen.

Ernährung und Lebensstil bei Gicht

Allopurinol ist eine medikamentöse Therapie, die durch Lebensstiländerungen unterstützt werden sollte. Purinreiche Lebensmittel wie Innereien, Hülsenfrüchte, Meeresfrüchte und bestimmte Fleischsorten sollten reduziert werden. Alkohol, besonders Bier (enthält Guanosin), erhöht den Harnsäurespiegel und sollte weitgehend gemieden werden. Fruktosereiche Getränke und Lebensmittel können ebenfalls den Harnsäurespiegel erhöhen. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (2–3 Liter täglich), moderate Bewegung und Gewichtsreduktion bei Übergewicht sind ebenfalls wichtige Bestandteile der Therapie.

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